Wenn ich mache, was der Meister sagt...

Menschen neigen dazu, anderen besondere Autorität zuzuordnen. Sobald man glaubt, man habe jemanden gefunden, der zweifelsfrei weiß, was richtig ist, kann man auf das Risiko eigenen Denkens und Entscheidens verzichten. Mit dem glücklichen Gefühl, dass nun alles in Ordnung ist, folgt der Gläubige seinem Meister. Solche Mechanismen sind in Politik und Glaubensdingen weit verbreitet.

 

Angst frisst Seele und Körper auf

Erfolg stärkt Seele, Geist und Körper. Falsch. Denn dort, wo das Geschäft floriert, ist auch der Stress meist nicht weit. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter aus dem mittleren Management.

 

Die Unternehmen präsentieren sich immer stromlinienförmiger. Doch je mehr sie sich für den Wettbewerb rüsten, desto stärker werden die Führungs-Crews des mittleren Managements beansprucht. Studien belegen, dass dabei nicht nur die Motivation der Mitarbeiter ins Trudeln gerät, sondern auch deren Gesundheit. Besteht eine Verbindung zwischen der zunehmenden Fitness der Unternehmen und der Krankheit ihrer Führungskräfte? Spielen die grassierenden Fusionen, Konzentrationen und Kosten senkenden Rationalisierungen dabei eine tragende Rolle? Die VAA-Nachrichten, Zeitung des Verbandes angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie (VAA) e.V. in Köln, zeigte sich kürzlich um das Wohlbefinden der Manager im höchsten Maße besorgt. Gebeutelt vom permanenten Zeitdruck, bedrängt vom angespannten Betriebsklima und einer zu dünnen Personaldecke habe vor allem das mittlere Management mit massiven gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Die gleichen Alarmsignale kommen vom Verband der Führungskräfte (VDF) in Essen. Die Arbeitszeit habe 1999 mit durchschnittlich 53 Wochenstunden noch einmal deutlich zugelegt und liege damit weiter klar über dem Niveau tariflicher Arbeitszeiten. Jenseits des üblichen Lobby-Wehgeschreis kommt der VDF zu einem Kern des Problems: Die Mehrarbeit mit einem höheren Gehalt abzugelten, könne nicht mehr die Lösung sein. Favorisiert werde eine kürzere Lebensarbeitszeit.


Eine gemeinsame Studie der Bertelsmann- und Hans-Böckler-Stiftung wollte genauer wissen, welche Querverbindungen zwischen Stress, Erfolg und Misserfolg bisher ausgeblendet waren und wie am besten gegengesteuert wird. Liz Mohn vom Bertelsmann-Beirat sagt es pointiert: "Motivierte Mitarbeiter sind seltener krank." So habe sich das bewusste Gesundheitsmanagement in manchen Unternehmen finanziell kräftig bezahlt gemacht. Bei VW ist damit die Gesundheitsquote von 91,7 % 1988 auf knapp 96 % 1999 gesteigert worden. Schon bei einer um nur 1 % gestiegenen Gesundheitsquote konnten bei VW rund 90 Mio. DM im Jahr gespart werden.


Dr. Johannes Siegrist, Professor für medizinische Soziologie an der Universität Düsseldorf, ermittelte Erstaunliches. In einer Langzeitstudie über die Auswirkungen von Stress auf die Gesundheit fand er heraus: Wer an der Aufgabenlösung und Zielerreichung gehindert wird, dem droht chronischer Stress. Wenn die Belohnung - Geld, Anerkennung, Sicherheit am Arbeitsplatz, Aufstiegschancen - trotz redlichen Bemühens nicht einträte, seien Frust und Verbitterung das Resultat. Solche Ungleichgewichte zwischen Ziel und Zielerreichung entstehen situativ und personell. Situativ, wenn ein Arbeitsplatz so eingerichtet ist, dass der Mitarbeiter überhaupt keine Chance hat, seine Arbeitsaufgabe zu erfüllen. Personell, wenn er sich selbst für die nächsten Jahre zu erreichende Ziele setzt, diese aber nicht verwirklichen kann. (Von K. Niehörster)